Warum ich meinen Instagram Account gelöscht habe

Lifestyle

By Julia / 30.01.2018 /

Erst einmal vorab: Ich liebe Instagram. Die Idee dahinter. Schon früher war ich so beeindruckt von der App. Sie war für mich immer mehr, als nur eine App. Leider hat sich in den letzten Jahren viel geändert. Es ist komplizierter und schwieriger geworden.

Es frisst mich von innen auf

Als ich vor anderthalb Jahren meinen Blog ins Leben rief, wollte ich schreiben. Schreiben über Dinge, die mich beeindrucken und mich faszinieren. Meinen Enthusiasmus wollte ich mit euch teilen. Ich wollte euch mit meiner Freude „anstecken“. Damals dachte ich, dass Instagram nun mal dazugehört. Ich hatte meinen privaten Account, wo ich auch ab und an darauf achtete, dass mein Feed einheitlich aussieht, aber nicht so extrem. Bis vor ein paar Tagen war ich ja regelrecht von Instagram besessen. „Das machen ja alle. Also brauche ich auch einen extra Instagram Account für meinen Blog“, dachte ich mir und erstellte mir mit ein paar Klicks meinen Account. Er war da. Und jetzt?

Instagram benötigt viel Pflege

Ich habe so Respekt vor Influencern, die diesem Druck seit einigen Jahren stand halten. Es ist so hart. Man muss sich zwingen, jeden Tag aktiv zu sein. Keine Lust oder schlechte Laune kann man sich nicht leisten. Perfektionismus ist das Minimum. Am besten ist man die ganze Zeit super beschäftigt, fährt mehrmals im Jahr in den Urlaub und ist immer in Begleitung seiner Freunde. Es gibt Blogger und Influencer, die das wollen und die das auch nervlich können. Ich habe so Respekt vor ihnen. Für mich ist das leider nichts. Das habe ich in den vergangen Monaten gemerkt. Ich kann nicht jeden Tag ein „perfekt inszeniertes“ Bild posten. Es gibt Tage, da sitze ich ungeschminkt und im Schlafanzug im Bett, esse Pizza und schaue meine liebsten Serien. Warum auch nicht? Ich mag das halt. Na und? Für Instagram ist das leider tödlich. Um ein „perfekt inszeniertes“ Bild zu posten, müsste ich also alles aufräumen, meine Pizza in ein Avocadobrot umtauschen und gestylt mit einem schicken Outfit im Bett liegen. Diese Vorstellungen entsprechen wie gesagt, leider nun mal nicht der Wahrheit.

Mein Instagram Account stirbt

Es gibt die Accounts, die vom Instagram Algorithmus ignoriert werden. Diese Accounts können machen und tun, was sie wollen. Sie können die schönsten Bilder posten, das einheitlichste Feed haben, es würde nichts nutzen. Viele Bilder werden öfter, als manche angezeigt. Das ist unfair und hart. Wenn der eigene Account also von Instagram nicht „gesehen“ wird, sieht es sehr schlecht aus. Des Weiteren muss man so viele Dinge beachten, damit das eigene Bild den Followern angezeigt wird. Es fängt an, mit den richtigen Hashtags, über die geeignete Uhrzeit und der „korrekten“ Caption. Dann sollte man nach den neuen „Regeln“ die Kommentare unter den Bildern innerhalb von einer Stunde beantwortet haben und die Hashtags nicht mehr in die Kommentare schreiben, sondern wieder in die Caption. Verrückt oder? Mittlerweile könnte man über die „richtige Benutzung von Instagram“ ein Buch schreiben. Wenn man dann jedoch mal ein paar Tage nicht aktiv ist, weil das Privatleben dazwischen funkt, kann man sich drauf einstellen, dass man die Hälfte seiner Reichweite und mindestens 60 Follower verloren hat. 

In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass ich immer wieder von „vorne“ anfangen musste. An ein paar Tagen war ich sehr aktiv, an anderen Tagen hatte ich schlicht weg einfach keine Zeit. Also „gewann“ ich 20 neue Follower, die ich in den nächsten Tagen wieder „verlor“. Es war so frustrierend. Einfach nur ätzend. Irgendwann verlor ich den Spaß an der Sache. Es ergab ja irgendwie keinen „Sinn“ mehr. Also zwang ich mich dazu, auf Instagram zu sein, zu liken und zu kommentieren. Am Ende war es nur noch Zwang. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen, weil sich meine Gedanken nur noch um diese blöde Followerzahl drehte, die sich seit Wochen nicht mehr änderte. Was machte ich falsch? Waren es die Bilder? War es eine Formsache? Was war nur los?

Plötzlich war es klar

Als ich es dann endlich aussprach, war es klar. Instagram macht mich krank. Abends möchte ich einfach nur neben meinem Freund liegen und meinen „Feierabend“ genießen. Ich möchte dann nicht mehr vor Instagram sitzen. Nein. Ich möchte meine freie Zeit mit meiner Familie verbringen. Nicht mit Instagram. Instagram hat lange genug meinen Alltag beeinflusst. Das muss sich jetzt ändern. Seit ich den Entschluss gefasst habe, meinen Account zu löschen, fühle ich mich befreit. Ich kann auf einmal wieder richtig atmen. Das, was so schwer auf mir lag, war auf einmal weg.

Habe ich versagt?

Ich fühle mich frei. Auf der einen Seite auf jeden Fall. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass ich versagt habe. Irgendwie denke ich, dass ich zu schwach bin und es einfach nicht geschafft habe. Ich habe nicht durchgehalten. Und bei genau solchen Gedanken merke ich, dass es genau die richtige Entscheidung war, meinen Account zu löschen. Meine Gedanken dürfen sich nicht mehr nur um Instagram drehen. Es macht krank. Instagram kann zur Sucht werden, wenn man es nicht dosieren kann, so wie ich. Instagram hat mich abhängig gemacht. Und damit ist jetzt Schluss. Ich steige jetzt aus.

About Julia

About Julia

Was passt besser zusammen als Yin und Yang? Richtig. Julia und Kaffee. Mitte 2016 gründete Julia ihren Blog About Julia. Mit ihrer Kamera in der einen und mit ihrem Laptop in der anderen Hand stürzte sich Julia in das neue Abenteuer. Auf About Julia dreht sich alles um Fashion und Lifestyle Themen. Neben ihrem Blog studiert Julia Modejournalismus.

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Christine

01 / 29 / 2018

Llebe Julia,

das ist ein wirklich schöner Beitrag, den ich regelrecht verschlungen habe, denn ich erkenne mich total darin. Mir geht es ähnlich. Ich poste mittlerweile nur noch alle 2 Tage und Sa und So gar nicht. So merke ich natürlich auch, dass es schwer ist die Follower bei Laune zu halten bzw. die Kommentare hoch zu halten. Noch geht es ganz gut, da ich sehr aktiv bin, aber ich habe auch gerade abends wenig Lust dazu, da ich dann immer abwesend bin. Für eine Beziehung natürlich nicht förderlich. Ich finde deinen Schritt mutig und gut! Hut ab!

Liebe Grüße Christine

Chris

01 / 29 / 2018

Liebe Julia, wie ich es dir schon auf Facebook gesagt habe, ich bewundere deinen Mut und deine Konsequenz sehr. Nicht nur einmal war ich kurz davor, das gleiche zu tun. Ich fürchte, ich gehöre zu denen, die machen können, was sie wollen, ich bekomme kaum Likes auf meine Bilder - und mancher Schrott das zehnfache. Ich fotografiere allerdings auch kaum mich selbst, denn auch ich mach diese Fake-Inszenierung meiner selbst nicht. Nein, ich sitze auch nicht morgens mit roten Lippen und gestylten Haaren am Rechner, sondern in der Jogginghose. Ich frage mich ehrlich gesagt, wie man es hinbekommt, so viele stylische Bilder von sich zu inszenieren und dennoch Beiträge zu schreiben. Und dann soll man noch unentwegt liken und kommentieren?Der Tag hat doch nur 24 Stunden und davon arbeite ich sowieso schon zu viel. Vielleicht habe ich eines Tages auch den Mut den Delete-Button zu drücken, denn mich setzt das auch zunehmend mehr unter Druck und Instagram ist ein frustierender Zeitfresser, das ist wahr.
Allerliebste Grüße
Chris von
http://stylepeacock.com

Julia

01 / 29 / 2018

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Kristina

01 / 29 / 2018

Liebe Julia, danke für das Teilen dieser Gedanken. Instagram ist auch für mich hin und wieder eine Hassliebe, das es einem gefühlt immer schwerer gemacht wird auch Erfolg mit der App zu haben. Da kann ich dich voll verstehen. Leider ist Insta mittlerweile wichtiger geworden als der Blog selbst (das merke ich an meinen Seitenaufrufen), weswegen ich auf dieses Medium nicht mehr verzichten kann. Da heißt es an einigen unmotivierten Tagen in den sauren Apfel beißen bzw. Bilder vorzuproduzieren. Ich kann aber jeden gut verstehen, der sich diesen Stress nicht mehr geben will! Ich hoffe sehr, dass es dir jetzt besser geht :)
Liebe Grüße ♡Kristina

Rebecca

01 / 29 / 2018

Liebe Julia,
ich kann das so gut nachfühlen. Mir geht es nicht anders. Als ich vor zwei Jahren mit Instagram begann, lief es gut und ich war zuversichtlich. Dann kaufte Mark Zuckerberg Instagram und das Drama begann. Dieser Mann ist der Teufel. Facebook ist tot und auch Instagram wird er mit seinem Größenwahnsinn und Machtdurst zu Grunde richten. Ich bin mir sicher, es wird etwas anderes kommen und ich hoffe sehr, dass dieser Mann nicht mehr das Monopol über die sozialen Netze behält.
Wenn wir alle so mutig wären wie Du uns dem zu entziehen, dann würde es sich ändern. Denn selbst das größte und erfolgreichste Netzwerk existiert nicht ohne eine Community!

xo Rebecca
https://pineapplesandpumps.com/