Warum ich meinen Instagram Account gelöscht habe

Erst einmal vorab: Ich liebe Instagram. Die Idee dahinter. Schon früher war ich so beeindruckt von der App. Sie war für mich immer mehr, als nur eine App. Leider hat sich in den letzten Jahren viel geändert. Es ist komplizierter und schwieriger geworden.

Es frisst mich von innen auf

Als ich vor anderthalb Jahren meinen Blog ins Leben rief, wollte ich schreiben. Schreiben über Dinge, die mich beeindrucken und mich faszinieren. Meinen Enthusiasmus wollte ich mit euch teilen. Ich wollte euch mit meiner Freude „anstecken“. Damals dachte ich, dass Instagram nun mal dazugehört. Ich hatte meinen privaten Account, wo ich auch ab und an darauf achtete, dass mein Feed einheitlich aussieht, aber nicht so extrem. Bis vor ein paar Tagen war ich ja regelrecht von Instagram besessen. „Das machen ja alle. Also brauche ich auch einen extra Instagram Account für meinen Blog“, dachte ich mir und erstellte mir mit ein paar Klicks meinen Account. Er war da. Und jetzt?

Instagram benötigt viel Pflege

Ich habe so Respekt vor Influencern, die diesem Druck seit einigen Jahren stand halten. Es ist so hart. Man muss sich zwingen, jeden Tag aktiv zu sein. Keine Lust oder schlechte Laune kann man sich nicht leisten. Perfektionismus ist das Minimum. Am besten ist man die ganze Zeit super beschäftigt, fährt mehrmals im Jahr in den Urlaub und ist immer in Begleitung seiner Freunde. Es gibt Blogger und Influencer, die das wollen und die das auch nervlich können. Ich habe so Respekt vor ihnen. Für mich ist das leider nichts. Das habe ich in den vergangen Monaten gemerkt. Ich kann nicht jeden Tag ein „perfekt inszeniertes“ Bild posten. Es gibt Tage, da sitze ich ungeschminkt und im Schlafanzug im Bett, esse Pizza und schaue meine liebsten Serien. Warum auch nicht? Ich mag das halt. Na und? Für Instagram ist das leider tödlich. Um ein „perfekt inszeniertes“ Bild zu posten, müsste ich also alles aufräumen, meine Pizza in ein Avocadobrot umtauschen und gestylt mit einem schicken Outfit im Bett liegen. Diese Vorstellungen entsprechen wie gesagt, leider nun mal nicht der Wahrheit.

Mein Instagram Account stirbt

Es gibt die Accounts, die vom Instagram Algorithmus ignoriert werden. Diese Accounts können machen und tun, was sie wollen. Sie können die schönsten Bilder posten, das einheitlichste Feed haben, es würde nichts nutzen. Viele Bilder werden öfter, als manche angezeigt. Das ist unfair und hart. Wenn der eigene Account also von Instagram nicht „gesehen“ wird, sieht es sehr schlecht aus. Des Weiteren muss man so viele Dinge beachten, damit das eigene Bild den Followern angezeigt wird. Es fängt an, mit den richtigen Hashtags, über die geeignete Uhrzeit und der „korrekten“ Caption. Dann sollte man nach den neuen „Regeln“ die Kommentare unter den Bildern innerhalb von einer Stunde beantwortet haben und die Hashtags nicht mehr in die Kommentare schreiben, sondern wieder in die Caption. Verrückt oder? Mittlerweile könnte man über die „richtige Benutzung von Instagram“ ein Buch schreiben. Wenn man dann jedoch mal ein paar Tage nicht aktiv ist, weil das Privatleben dazwischen funkt, kann man sich drauf einstellen, dass man die Hälfte seiner Reichweite und mindestens 60 Follower verloren hat. 

In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass ich immer wieder von „vorne“ anfangen musste. An ein paar Tagen war ich sehr aktiv, an anderen Tagen hatte ich schlicht weg einfach keine Zeit. Also „gewann“ ich 20 neue Follower, die ich in den nächsten Tagen wieder „verlor“. Es war so frustrierend. Einfach nur ätzend. Irgendwann verlor ich den Spaß an der Sache. Es ergab ja irgendwie keinen „Sinn“ mehr. Also zwang ich mich dazu, auf Instagram zu sein, zu liken und zu kommentieren. Am Ende war es nur noch Zwang. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen, weil sich meine Gedanken nur noch um diese blöde Followerzahl drehte, die sich seit Wochen nicht mehr änderte. Was machte ich falsch? Waren es die Bilder? War es eine Formsache? Was war nur los?

Plötzlich war es klar 

Als ich es dann endlich aussprach, war es klar. Instagram macht mich krank. Abends möchte ich einfach nur neben meinem Freund liegen und meinen „Feierabend“ genießen. Ich möchte dann nicht mehr vor Instagram sitzen. Nein. Ich möchte meine freie Zeit mit meiner Familie verbringen. Nicht mit Instagram. Instagram hat lange genug meinen Alltag beeinflusst. Das muss sich jetzt ändern. Seit ich den Entschluss gefasst habe, meinen Account zu löschen, fühle ich mich befreit. Ich kann auf einmal wieder richtig atmen. Das, was so schwer auf mir lag, war auf einmal weg.

Habe ich versagt?

Ich fühle mich frei. Auf der einen Seite auf jeden Fall. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass ich versagt habe. Irgendwie denke ich, dass ich zu schwach bin und es einfach nicht geschafft habe. Ich habe nicht durchgehalten. Und bei genau solchen Gedanken merke ich, dass es genau die richtige Entscheidung war, meinen Account zu löschen. Meine Gedanken dürfen sich nicht mehr nur um Instagram drehen. Es macht krank. Instagram kann zur Sucht werden, wenn man es nicht dosieren kann, so wie ich. Instagram hat mich abhängig gemacht. Und damit ist jetzt Schluss. Ich steige jetzt aus. 

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Chris |

Llebe Julia,

das ist ein wirklich schöner Beitrag, den ich regelrecht verschlungen habe, denn ich erkenne mich total darin. Mir geht es ähnlich. Ich poste mittlerweile nur noch alle 2 Tage und Sa und So gar nicht. So merke ich natürlich auch, dass es schwer ist die Follower bei Laune zu halten bzw. die Kommentare hoch zu halten. Noch geht es ganz gut, da ich sehr aktiv bin, aber ich habe auch gerade abends wenig Lust dazu, da ich dann immer abwesend bin. Für eine Beziehung natürlich nicht förderlich. Ich finde deinen Schritt mutig und gut! Hut ab!

Liebe Grüße Christine

Antwort von Julia

Hallo liebe Christine,

danke danke danke, für diese Worte. Ich bin mal gespannt, ob ich es vermisse. Ich habe ja noch meinen alten Account, privaten Account. 

Abends hat man einfach keine Lust mehr... 

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Chris stylepeacock |

Liebe Julia, wie ich es dir schon auf Facebook gesagt habe, ich bewundere deinen Mut und deine Konsequenz sehr. Nicht nur einmal war ich kurz davor, das gleiche zu tun. Ich fürchte, ich gehöre zu denen, die machen können, was sie wollen, ich bekomme kaum Likes auf meine Bilder - und mancher Schrott das zehnfache. Ich fotografiere allerdings auch kaum mich selbst, denn auch ich mach diese Fake-Inszenierung meiner selbst nicht. Nein, ich sitze auch nicht morgens mit roten Lippen und gestylten Haaren am Rechner, sondern in der Jogginghose. Ich frage mich ehrlich gesagt, wie man es hinbekommt, so viele stylische Bilder von sich zu inszenieren und dennoch Beiträge zu schreiben. Und dann soll man noch unentwegt liken und kommentieren?Der Tag hat doch nur 24 Stunden und davon arbeite ich sowieso schon zu viel. Vielleicht habe ich eines Tages auch den Mut den Delete-Button zu drücken, denn mich setzt das auch zunehmend mehr unter Druck und Instagram ist ein frustierender Zeitfresser, das ist wahr.
Allerliebste Grüße
Chris von
http://stylepeacock.com

Antwort von Julia

Hallo liebe Chris,

oh danke für deine netten Worte. Ich kann dich so gut verstehen. Das ist genau das, was ich auch sagen wolle. Du hast das ganze nochmal schön auf den Punkt gebracht:) 

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Kristina |

Liebe Julia, danke für das Teilen dieser Gedanken. Instagram ist auch für mich hin und wieder eine Hassliebe, das es einem gefühlt immer schwerer gemacht wird auch Erfolg mit der App zu haben. Da kann ich dich voll verstehen. Leider ist Insta mittlerweile wichtiger geworden als der Blog selbst (das merke ich an meinen Seitenaufrufen), weswegen ich auf dieses Medium nicht mehr verzichten kann. Da heißt es an einigen unmotivierten Tagen in den sauren Apfel beißen bzw. Bilder vorzuproduzieren. Ich kann aber jeden gut verstehen, der sich diesen Stress nicht mehr geben will! Ich hoffe sehr, dass es dir jetzt besser geht :)
Liebe Grüße ♡Kristina
<a href="http://www.thekontemporary.com">TheKontemporary</a>

Antwort von Julia

Hallo liebe Kristina,

ja das ist es leider. Instagram ist so so wichtig geworden. Fast noch wichtiger, als der eigene Blog. Ich werde es wahrscheinlich sehr stark an meinen Seitenaufrufen merken, aber vielleicht erhole ich mich bald wieder davon und kann mich weiter auf meinen Blog fokussieren.

Ich habe noch die Hoffnung, dass Instagram bald durch Pinterest abgelöst wird!

Liebe Grüße

Julia 

Kommentar von Thomas |

Liebe Julia,
Du hast erkannt, dass Qualität sich gegen Quantität durchsetzt. Einen Gedanken sauber zu formulieren und so andere zu berühren halte ich für lesenswert. Masse zu produzieren, um clicks zu sammeln kann nicht dein Anspruch sein.
Ich wünsche mir für dich in Zukunft viele gute Gedanken in Beiträgen, die ich bis zum Ende lese und anschließend darüber nachdenke.

Antwort von Julia

Hallo lieber Thomas,

danke für die netten Worte zu diesem Thema.

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von katy fox |

ein sehr toller beitrag u ich kann dich zu 100 % verstehen - ich nimm teilweise instagram auch viel zu ernst - mache mir gedanken um den feed schaue das ich jeden tag min 1 foto poste u mache mir dabei selbst den größten druck - dabei wollte ich ja eigentlich Bloggen :)
kann dich sehr gut verstehen :)
glg katy

www.lakatyfox.com

Antwort von Julia

Hallo liebe Katy,

danke für deine aufmunternden und aufbauenden Worte! Setz dich nicht zu sehr unter Druck!

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Rebecca |

Liebe Julia,
ich kann das so gut nachfühlen. Mir geht es nicht anders. Als ich vor zwei Jahren mit Instagram begann, lief es gut und ich war zuversichtlich. Dann kaufte Mark Zuckerberg Instagram und das Drama begann. Dieser Mann ist der Teufel. Facebook ist tot und auch Instagram wird er mit seinem Größenwahnsinn und Machtdurst zu Grunde richten. Ich bin mir sicher, es wird etwas anderes kommen und ich hoffe sehr, dass dieser Mann nicht mehr das Monopol über die sozialen Netze behält.
Wenn wir alle so mutig wären wie Du uns dem zu entziehen, dann würde es sich ändern. Denn selbst das größte und erfolgreichste Netzwerk existiert nicht ohne eine Community!

xo Rebecca
https://pineapplesandpumps.com/

Antwort von Julia

Hallo liebe Rebecca,

ich kann dir nur zustimmen. Früher, vor 5 Jahren ca habe ich auch schon einmal einen Account gehabt. Da war es so leicht neue Follower zu bekommen. Als ich dann vor 1,5 Jahren mit meinem About Julia Account anfing, merkte ich, wie schwer das alles geworden ist. Das ist so ein Unterschied gewesen :o 

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Milli |

Respekt! Und ich denke du hast definitiv recht. Wenn man auf Instagram erfolg haben will, dann hat man eben kein Offline Leben mehr. Ansonsten wird es nicht funktionieren. Ich für mich habe akzeptiert, dass ich niemals einen großen Account haben werde. Was okay ist, denn so kann ich mit ruhigem Gewissen Abends auf der Couch liegen und die App App sein lassen.

Liebe Grüße, Milli
(Http://www.millilovesfashion.de)

Antwort von Julia

Hallo liebe Milli,

ich habe es jetzt auch akzeptiert und habe einfach einen Schlussstrich gezogen. Jetzt habe ich definitiv mehr Ruhe...

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von L❤ebe was ist |

meine liebe Julia, jetzt verblüffst du mich total, denn ich habe es tatsächlich nicht mal mitbekommen, dass du nicht mehr auf Instragram aktiv bist :/
aber das zeigt direkt sehr genau, wie besch*** dieser ganze Algorhythmus-Quatsch ist, wenn deine Follower es noch nicht mal merken, dass es dich nicht gibt!

ich finde es super mutig, dass du diesen Schritt gegangen bist und da hast du meinen vollsten Respekt - ws würde ich es nicht wagen, bin aber nocht so besessen ;)

liebste Grüße auch,
❤ Tina von www.liebewasist.com

Antwort von Julia

Hallo liebe Tina,

oh man ja das ist echt wieder so eine tolle Scheiße. Ich habe es vor einer Woche in meiner Story angekündigt aber die haben ja leider nur ein Bruchteil meiner Follower gesehen. Ich wollte da jetzt einfach keine "Show" abziehen... 

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Anna |

Das ist ein sehr ehrlicher und toller Blogpost und ich denke dass sich viele in dem Thema wiederfinden können. Ich habe die App früher auch so geliebt, finde es aber schade, wie sie sich mittlerweile entwickelt hat. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sie mittlerweile zum Bloggen einfach dazugehört und man kaum drum herum kommt. xxx

Antwort von Julia

Hallo liebe Anna,

das glaube ich auch. Viel läuft leider über Instagram. Naja ich werde mal schauen wie es für mich und meinen Blog jetzt weiter geht :) 

Liebe Grüße

Julia

Kommentar von Tabea |

Liebe Julia,

in vielem, was Du da schreibst, erkenne ich mich wieder. Allerdings habe ich für mich beschlossen, meinen Account definitiv noch laufen zu lassen. Er ist klein, und ja, das Problem mit dem "die Follower sind weg" kenne ich auch. Aber ich möchte trotzdem noch etwas weiter kämpfen ;-) Wobei ich mir auch immer mal wieder Tage gönne, an denen ich Instagram ignoriere. Ja, schlecht für die Zahlen, aber gut für mich. Und damit kann ich gerade ganz gut leben.
Allerdings kann ich Deine Entscheidung sehr gut nachvollziehen, da ich mit dem Gedanken auch schon gespielt habe.

Viele liebe Grüße,

Tabe
von tabsstyle.com

Antwort von Julia

Hallo liebe Tabe,

vielen lieben Dank für die ehrlichen Worte. Ja ich habe auch lange mit mir gerungen und auch wenn ich die App mal App sein lassen wollte, konnte ich an nichts anderes mehr denken.

Deshalb habe ich sie dann auch endgültig gelöscht. :( 

Liebe Grüße

Julia